Report · Stand Juli 2026

Schwarzmarkt Glücksspiel 2026: fünf Studien zur Kanalisierung in Deutschland

Zum Schwarzmarkt Glücksspiel Deutschland gibt es 5 veröffentlichte Antworten auf dieselbe Frage. Nur 2 davon sind Messungen, und die reichen von 36 % bis 77,03 % Kanalisierung; dazu kommen eine Einschätzung eines Verbands, eine Modellrechnung und ein politischer Zielwert. Dieser Report legt alle 5 nebeneinander, mit Institut, Auftraggeber und der Angabe, um welche Art von Aussage es sich handelt. Wer über illegales Glücksspiel in Deutschland schreibt, zitiert fast immer eine davon, meist ohne zu sagen, welche.

Fünf weiße Berichtshefte unterschiedlicher Dicke in einer Reihe, eines mit rotem Band
Abb. 06 Fünf Antworten auf dieselbe Frage, nebeneinandergelegt Eigene Darstellung

Angaben in Prozent · Messungen und Szenarien nebeneinander, aber gekennzeichnet

Die Kanalisierung im direkten Vergleich

Kanalisierungsquote nach Quelle, in Prozent. GGL / Blockchain Research Lab: 77 %; DOCV: 50 %; H2 Gambling Capital: 36 %; DIW Econ: 80 %; Regulatorischer Zielwert: 80 %

Rot markiert sind die Werte, die keine Messung des heutigen Zustands sind: das DIW-Econ-Szenario und der regulatorische Zielwert. Werden sie mit den Messungen in eine Reihe gestellt, entsteht eine Spannweite, die es als Messung nie gegeben hat.

Alle Angaben mit Institut, Auftraggeber, Art der Aussage und Stand
Quote Quelle Auftraggeber Art Stand
77,03 % Blockchain Research Lab Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) Messung veröffentlicht 16.03.2026
50 % Deutscher Online Casinoverband (DOCV) Verband der erlaubten Anbieter (eigene Einschätzung) Einschätzung 03/2026
36 % H2 Gambling Capital nicht veröffentlicht Messung 09/2025
80 % DIW Econ Deutscher Online Casinoverband (DOCV) Szenario 2025
80 % Glücksspielstaatsvertrag 2021 Zielwert seit 2021
Messung 01

GGL / Blockchain Research Lab

Der Marktanteil nicht erlaubter Angebote wird mit 22,97 % angegeben, die Kanalisierungsquote entsprechend mit 77,03 %. Auftraggeber ist die Aufsichtsbehörde selbst.
Einschätzung 02

DOCV

Der Verband hält die GGL-Zahlen für zu konservativ und sieht den tatsächlichen Wert näher bei 50 %. Es handelt sich um eine Einschätzung des Verbands, nicht um eine eigene Erhebung.
Messung 03

H2 Gambling Capital

Deutlich niedrigster Wert der veröffentlichten Schätzungen. Die Datengrundlage des Marktforschungsanbieters ist nicht öffentlich dokumentiert.
Szenario 04

DIW Econ (Szenario)

KEINE Messung des heutigen Zustands, sondern eine Modellrechnung: läge die Besteuerung des Bruttospielertrags unter 30 % (im europäischen Mittel sind 20 bis 30 % üblich), könnte die Kanalisierungsquote auf etwa 80 % steigen. Auftraggeber ist der Verband der Anbieter.
Zielwert 05

Regulatorischer Zielwert

Kein Messwert, sondern die Zielgröße der Regulierung: angestrebt wird eine Kanalisierung von über 80 %. Der Vergleich mit den Messungen ist der eigentliche Streitpunkt.

Warum sich die Studien zum illegales Glücksspiel widersprechen

Kategorie 01

Messung, Szenario oder Zielwert

Nicht jede der zitierten Zahlen behauptet dasselbe. Die GGL-Studie, die DOCV-Einschätzung und der H2-Wert beschreiben einen Zustand. Der DIW-Econ-Wert beschreibt eine Modellrechnung unter geänderter Besteuerung, und die 80 % des Staatsvertrags sind ein politisches Ziel. Werden diese drei Kategorien in einer Reihe genannt, entsteht eine Spannweite, die es als Messung nie gegeben hat.
Auftraggeber 02

Wer bezahlt die Studie

Die höchste Quote stammt aus einer Untersuchung im Auftrag der Aufsichtsbehörde, die niedrigeren aus dem Umfeld der Anbieter, die eine geringere Besteuerung anstreben. Beide Seiten haben ein Interesse an ihrem Ergebnis. Das entwertet die Zahlen nicht, aber es gehört neben jede einzelne.
Abgrenzung 03

Was als Markt gezählt wird

Eine Quote braucht einen Nenner. Ob Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Lotterien zusammengefasst oder getrennt betrachtet werden, verschiebt das Ergebnis erheblich. ebenso, ob nach Einsatzvolumen oder nach Bruttospielertrag gerechnet wird.
Erhebungsmethode 04

Wie der Schwarzmarkt überhaupt gemessen wird

Nicht erlaubte Angebote veröffentlichen keine Zahlen. Erhebungen arbeiten daher mit Hilfsgrößen: Traffic-Schätzungen, Zahlungsströmen, Befragungen oder Auswertungen von Blockchain-Transaktionen. Jede dieser Hilfsgrößen hat eine eigene systematische Verzerrung.

Schwarzmarkt Glücksspiel Deutschland: was sich daraus ableiten lässt

Die belastbare Aussage zum Schwarzmarkt Glücksspiel Deutschland ist nicht eine Zahl, sondern eine Spannweite mit Vorzeichen: die veröffentlichten Messungen liegen zwischen 36 % und 77,03 % Kanalisierung. Selbst der höchste Wert liegt unter dem regulatorischen Ziel von über 80 %.

Die Debatte hängt damit an etwas anderem als der Frage, ob die Kanalisierung 77 % oder 50 % beträgt: keine der Messungen erreicht das Ziel. Wer für eine schärfere Durchsetzung argumentiert, nimmt die niedrigen Werte; wer für eine geringere Besteuerung argumentiert, nimmt das DIW-Econ-Szenario. Beide zitieren korrekt und meinen Verschiedenes.

Für ein Bild des legalen Marktes ohne Schätzungen gibt es einen zweiten Weg: das amtliche Steueraufkommen. Es misst nicht den Schwarzmarkt, aber es misst den legalen Teil ohne Hilfsgrößen, siehe Marktzahlen. Auffällig ist, dass illegales Glücksspiel in allen Erhebungen als relevanter Faktor auftaucht, während das amtliche Aufkommen des legalen Marktes seit 2022 deutlich gefallen ist. Der Schwarzmarkt Glücksspiel wächst in dieser Lesart nicht zwingend; der legale Teil ist seit 2022 deutlich gefallen und liegt weiter klar unter dem damaligen Niveau.

Diesen Report zitieren

Die Tabelle darf mit Quellenangabe übernommen werden. Wer sie einbettet, sollte die Spalte „Art“ mitnehmen; ohne sie entsteht genau die Vermischung von Messung, Einschätzung, Szenario und Zielwert, die dieser Report auflöst.

Der Datensatz zum legalen Markt steht als CSV bereit, das Lizenz-Register als CSV und JSON.

Häufige Fragen zum Schwarzmarkt

Wie hoch ist die Kanalisierungsquote in Deutschland?

Darauf gibt es keine eine Antwort. Die veröffentlichten Messungen reichen von 36 % bis 77,03 %. Die höchste stammt aus einer Untersuchung im Auftrag der Aufsichtsbehörde, die niedrigeren aus dem Umfeld der Anbieter beziehungsweise von einem Marktforschungsanbieter. Wer eine einzelne Zahl zitiert, zitiert eine Position.

Was bedeutet Kanalisierung überhaupt?

Der Anteil des Glücksspiels, der bei erlaubten Anbietern stattfindet, gemessen am gesamten Markt einschließlich der nicht erlaubten Angebote. Eine Quote von 77 % heißt: 23 % des Marktes finden bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis statt. Der Glücksspielstaatsvertrag strebt über 80 % an.

Warum widersprechen sich die Studien so stark?

Aus vier Gründen, die sich addieren: manche Zahlen sind Messungen, andere Modellrechnungen oder politische Zielwerte; die Auftraggeber haben gegensätzliche Interessen; der zugrunde gelegte Markt ist unterschiedlich abgegrenzt; und der Schwarzmarkt selbst veröffentlicht keine Daten, sodass jede Erhebung mit Hilfsgrößen und deren Verzerrungen arbeitet.

Welche Zahl ist die verlässlichste?

Wir benennen keine. Die GGL-Studie ist die methodisch am ausführlichsten dokumentierte, wurde aber von der Aufsichtsbehörde in Auftrag gegeben, deren Regulierungserfolg sie bewertet. Die niedrigeren Werte stammen überwiegend aus dem Umfeld der Anbieter, die eine geringere Besteuerung anstreben. Statt eine Zahl auszuwählen, legen wir die Herkunft aller offen.

Ist der DIW-Econ-Wert von 80 Prozent eine Messung?

Nein, und das wird häufig verwechselt. Es handelt sich um eine Modellrechnung im Auftrag des Anbieterverbands: läge die Besteuerung des Bruttospielertrags unter 30 %, könnte die Kanalisierung auf etwa 80 % steigen. Als Aussage über den heutigen Zustand ist der Wert nicht zu verwenden.

Gibt es auch eine Zahl zum Volumen statt zur Quote?

Ja, das Handelsblatt Research Institute hat eine Volumenschätzung veröffentlicht (10/2025, Schätzung für 2023). Sie beantwortet eine andere Frage als eine Quote und ist mit den Prozentwerten nicht direkt vergleichbar, wir führen sie deshalb getrennt.