Amtliche Steuerdaten · nächste Veröffentlichung 21.08.2026
Marktzahlen: das legale Einsatzvolumen aus der Automatensteuer
Der Bund veröffentlicht monatlich, wie viel Virtuelle Automatensteuer eingegangen ist. Aus dieser einen Zahl lässt sich das legale Einsatzvolumen zurückrechnen, wenn man die Bemessungsgrundlage richtig liest.
Zwei Ebenen, nicht eine
Ebene 1 — der amtliche Fakt. Das Steueraufkommen der Virtuellen Automatensteuer. Diese Zahl stammt vom Bundesministerium der Finanzen, wir haben sie nicht berechnet.
Ebene 2 — unsere Rechnung. Das daraus zurückgerechnete Einsatzvolumen. Das ist ausdrücklich unsere Berechnung, keine amtliche Zahl. Die Formel steht daneben, damit sie angreifbar ist: wer sie bestreitet, bestreitet die Formel, nicht uns.
Die Formel
Einsatz = Steuer × 105,3 ÷ 5,3
§ 36 RennwLottG: die Steuer beträgt 5,3 % der Bemessungsgrundlage nach § 37 RennwLottG. § 37 RennwLottG: Bemessungsgrundlage ist der geleistete Spieleinsatz abzüglich der Steuer; die Steuer steckt im Einsatz. Effektiver Satz auf den Brutto-Einsatz: 5,3 ÷ 105,3 = 5,033 %. Faktor: × 19,868.
Virtuelle Automatensteuer in Mio. €, Jahreswerte des Statistischen Bundesamtes
Steueraufkommen je Jahr
| Jahr | Steuer (amtlich) | Einsatzvolumen (unsere Rechnung) | Quelle |
|---|---|---|---|
| 2022 | ≈ 430,000 Mio. € | ≈ 8,54 Mrd. € | Statistisches Bundesamt (Destatis) |
| 2023 | 264,398 Mio. € | 5,25 Mrd. € | Statistisches Bundesamt (Destatis) |
| 2024 | ≈ 214,000 Mio. € | ≈ 4,25 Mrd. € | Statistisches Bundesamt (Destatis) |
Zwischen 2022 und 2023 ist das Aufkommen um 38,5 % gefallen — von 430 Mio. € auf 264,398 Mio. €. Das ist der auffälligste Befund der Reihe: der legale Markt ist nach der Regulierung nicht gewachsen, sondern deutlich geschrumpft.
Zwei unabhängige amtliche Quellen
Die beiden Reihen stammen aus voneinander unabhängigen amtlichen Quellen und stimmen im Niveau überein: Destatis weist für 2022 rund 430 Mio. € und für 2023 264,398 Mio. € aus, ein Rückgang von rund 38,5 %. Der aus den BMF-Anlagentabellen gelesene Wert für das erste Halbjahr 2026 (116,435 Mio. €) fügt sich in dieses Niveau ein und bestätigt damit, dass in der Anlagentabelle die richtige Spalte gelesen wurde, nämlich die Bundessumme. Über die Richtung sagt er etwas anderes: auf den Monat umgerechnet liegt das erste Halbjahr 2026 bei 19,41 Mio. € und damit über 2024 (17,83) und über Januar bis August 2025 (17,80). Der starke Rückgang von 2022 bis 2024 ist der belastbare Befund; seither ist die Reihe flach und zuletzt wieder leicht gestiegen. Wer Zeiträume unterschiedlicher Länge unnormiert nebeneinanderlegt, liest hier leicht einen Trend, den die Zahlen nicht hergeben.
Wir führen die Reihen deshalb getrennt und mischen sie nicht: jede behält ihre Quelle. Zwei voneinander unabhängige amtliche Quellen, die im Niveau übereinstimmen, sind belastbarer als eine längere Reihe gemischter Herkunft.
| Periode | Steuer (amtlich) | je Monat | Einsatzvolumen (unsere Rechnung) | Quelle | Stand |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar bis August 2025 | 142,387 Mio. € | 17,80 Mio. € | 2,83 Mrd. € | BMF-Monatsbericht, Anlagentabelle (davon-Zeile), kumuliert | Jan–Aug 2025 |
| Januar bis Juni 2026 | 116,435 Mio. € | 19,41 Mio. € | 2,31 Mrd. € | BMF-Monatsbericht, Anlagentabelle (davon-Zeile), kumuliert | Jan–Jun 2026 |
| Juni 2026 | 23,467 Mio. € | 23,47 Mio. € | 0,47 Mrd. € | BMF-Monatsbericht, Anlagentabelle (davon-Zeile) | Monat Juni 2026 |
„≈“ bedeutet, dass die Quelle einen gerundeten Wert ausweist. Das Einsatzvolumen ist auf zwei signifikante Stellen gerundet; eine genauere Angabe wäre Scheingenauigkeit, weil sie eine Präzision behauptet, die die Rückrechnung nicht hat. Die Steuer wird bis zum 15. des Folgemonats selbst angemeldet. Die Einnahmen eines Monats spiegeln daher überwiegend die Einsätze des Vormonats (Kassen-, nicht Entstehungsprinzip).
Wie wir sicherstellen, dass die richtige Zeile gelesen wurde
Prüfsumme
Die Komponentenzeile steht in der Anlagentabelle des Monatsberichts, nicht in dessen HTML-Teil. Damit ein Lesefehler nicht unbemerkt bleibt, addieren wir alle Unterzeilen und vergleichen sie mit der veröffentlichten Aggregatzeile.
| Rennwetten (Totalisator) | 0,499 |
| Buchmacherwetten | 0,052 |
| Lotteriesteuer | 183,794 |
| Sportwettensteuer | 35,528 |
| Online-Pokersteuer | 3,516 |
| Virtuelle Automatensteuer | 23,467 |
| Summe der Komponenten | 246,856 |
| Veröffentlichte Aggregatzeile | 246,857 |
Die Summe der davon-Zeilen ergibt 246,856 Mio. €, die veröffentlichte Aggregatzeile 246,857 Mio. €, also eine Einheit Rundungsdifferenz. Der Abgleich ist die Prüfsumme dafür, dass die richtige Spalte gelesen wurde.
Gegenprobe
Gegenprobe aus einem zweiten Dokument: der BMF-Monatsbericht zum Mai 2026 weist 1.032,490 Mio. € kumuliert (Jan–Mai) aus. Plus der Juni-Aggregatzeile von 246,857 Mio. € ergibt das 1.279,347 Mio. €, genau die kumulierte Zahl der Juni-Übersicht (1.279,347 Mio. €).
28 Monate (2024-03 bis 2026-06) · Aggregat in Mio. € · Quelle BMF-Monatsbericht, Kapitel Steuereinnahmen
Monatliche Reihe: Rennwett- und Lotteriesteuer
Was diese Reihe ist — und was nicht. Sie zeigt das Aggregat der Rennwett- und Lotteriesteuer. Darin stecken Lotteriesteuer, Sportwettensteuer, Online-Pokersteuer, Rennwetten und die virtuelle Automatensteuer zusammen. Sie ist also nicht die Slot-Komponente und darf nicht als solche gelesen werden.
Ihr Wert liegt in zwei Dingen. Sie ist die Prüfsumme: die Komponenten eines Monats müssen sich zu diesem Wert addieren, genau der Abgleich, der oben für Juni 2026 offengelegt ist. Darüber hinaus ist sie selbst eine vollständige monatliche Reihe aus der Primärquelle, ohne Schätzung und ohne Interpolation.
Geprüft haben wir sie gegen sich selbst: für jedes aufeinanderfolgende Monatspaar muss der Sprung im kumulierten Wert dem Monatswert entsprechen. Das trifft auf alle 28 Monate zu (Toleranz 2 Mio. € für Rundungen). Rot markiert sind die Januar-Werte, an denen die Kumulation neu beginnt.
Fehlende Monate
Vor 2024-03 liegen die Monatsberichte unter einem anderen Adressschema; diese Ausgaben sind noch nicht erfasst. Die Reihe beginnt deshalb dort, wo sie belegt ist; nach hinten geschätzt wird sie nicht.
Lücken in der Reihe
Die monatliche Reihe ist noch nicht vollständig. Die Komponentenzeile „Virtuelle Automatensteuer“ steht nur in den Anlagentabellen der BMF-Monatsberichte, nicht im HTML-Teil. Für die hier ausgewiesenen Perioden ist sie geprüft; für die übrigen Monate der Reihe liegt sie noch nicht vor. Diese Monate bleiben leer. Wir interpolieren nicht und rechnen nichts hoch.
Das ist eine bewusste Entscheidung. Eine durchgehende Linie wäre optisch besser und inhaltlich schlechter: sie würde behaupten, wir hätten Werte, die wir nicht haben. Interpolierte Punkte wären in einer zitierfähigen Reihe ein Fehler, kein Service.